19.06.2013

Dienstag 18.Juni – Reserve Naturelle Naila – km 5.366



Nach dem Frühstück starte ich in Richtung des ca 360 km entfernten Tarfaya. Zunächst auf den plage Blanche zu und gerate doch unabsichtlich wieder auf eine bekannte Ruckelpiste (1x mit Vladimir gefahren und 2x mit Robert).

Eigentlich war ich diese Piste leid. Keine eindrucksvolle Umgebung, zwei Oueds und 4-5 Stunden bei 10 km/h durch die weite Landschaft, ohne wirklich voran zu kommen.


 Viele Spuren zweigen in günstigen Richtungen ab, aber ich bleibe auf dem GPS-Track.

Nichts Anspruchsvolles, aber genügend Gelegenheit, Deinem Auto Schaden anzutun, wenn Du ungeduldig wirst.

Hier im Oued geht’s nicht weiter....                      rauf...                                  .....und runter

Gegen 15:00 Uhr komme ich dann endlich auf die Teerstrasse Richtung Trafayar. Auch hier ist die Fahrt nicht sehr unterhaltsam, aber ruhig. Ich nähere mich halt der Westsahara.
Am Horizont zur Linken einige Bergzüge und zur Rechten Dünen vor dem Plage Blanche.


Nach Tan-Tan (Am Ortseingang wie schon früher Radar-Kontrolle nach dem Kontrollpunkt.Vorsicht!!!) komme ich dann direkt an die ziemlich aufgewühlte Atlantikküste. Es windet den ganzen Tag schon heftig (Aussentemperatur 23°C).

Ein paar Mal geht es heftig von der Höhe hinunter in ein querendes Oued-Tal (Flusstal auf Meereshöhe) und anschliessend wieder hinauf. Diese Oueds bieten an der Meeresküste ab und zu schöne Übernachtungsplätze in den Dünen.
An diesen Stellen kriechen die LKW im Schritttempo. Glücklicher Weise ist die Strasse aber nur wenig befahren.
In einem Dorf bevorrate ich mich und biege kurz darauf ab zum Naturschutzgebiet Reserve Naila
einer Salzsee-Lagune vor den gelben Dünen und dem Atlantik. Rosfarbene Flamingos stehen auf der anderen Seite.


Hier über der Lagune richte ich meinen Nachtplatz ein. Das Areal ist von einem Marokkaner bewacht, der sich mit einer Büchse Bier zufrieden gibt. 

Zwei Securities machen mich noch darauf aufmerksam, dass ich meinen wunderschönen Platz abends verlassen muss, um etwas vorher auf dem Parkplatz zu schlafen.

18.06.2013

Montag 17.Juni – Bou Jerif – km 5.020



Bou Jerif ist ein verfallenes ehemals französisches Fort etwa 40 km südlich von Sidi Ifni.

Nach einem überaus süßen französischen Frühstück (2 Crepes, zwei Berliner aus dem Frittierfett mit dreierlei Konfitüren und Honig) verlasse ich das Camp, erledige noch ein paar Sachen in Agadir und fahre dann über Tiznit nach Sidi Ifni.

Bis Tiznit langweilig, aber dann erreiche ich bei Sidi-Moussa-d'Aglou die Atlantikküste.


Leider ist es etwas diesig und kühl. Kurz vor Sidi Ifni mache ich einen Strandspaziergang und bewundere die „surreale Kulisse“ am Rande der Sahara. Der Atlantik hat Tore in den Fels gezaubert.

Sidi Ifni – ehemals span. Stadt
Von Sidi Ifni geht es zunächst an der Küste entlang und dann in die Hügellandschaft westlich von Guelmim.

Etwas abgelegen zwischen den Hügeln an einem Oued liegt das verfallene und verlassene Fort Bou Jerif


und daneben ein Motel/Camping Fort Bou Jerif. Dieser Platz dient auch als Info-Börse für Sahara-Durchquerer nach Mauretanien.

17.06.2013

Sonntag 16.Juni – Agadir – km 4.810


Nach dem Frühstück fahre ich zum Einkaufen in den Marjane-Supermarkt und decke mich für die nächsten Tage ein.
Danach entfliehe ich dem Tourismus in Agadir, verzichte auf den meist von Wohnmobilisten frequentierten Campingplatz im Norden der Stadt und finde etwa 15 km ausserhalb das Hotel/Camping „Paradis Nomad“.


Wirklich ein hervorragendes Etappenareal mit erfrischendem Pool, heissen Duschen, ausgezeichneten Sanitäranlegen, Strom und Licht an den Stellplärtzen … und alles für 60 Dirham pro Nacht.



Service und Essensangebot sind ausgezeichnet. Leider die Preise auch ausgezeichnet in ihrer Höhe ;-(.

Hier könnte ich mir vorstellen, nach einer längeren Wüstentour zu entspannen.

Samstag 15..Juni – in den Bergen und im Valley of Paradise – km 4.771


Samstag 15..Juni – in den Bergen über Agadir – km 4.771

Zum Frühstück gibt es Salami mit Spiegeleiern, damit ich den Herausforderungen gewachsen bin. Ich habe mich ausgestattet wie für eine Bergwanderung.


4,5 km weit muss ich wieder Steine räumen und Fahrspuren legen, damit ich Stück für Stück weiterfahren kann. Insgesamt brauche ich 1,5 Stunden, bis ich die ersten verlassenen Häuser vorfinde.
Meine Ängste legen sich kurz danach, als ich mehrere bewohnte Gehöfte, Bienenstöcke und am Strassenrand abholbereite Säcke vorfinde. Ausserdem zeigt die Piste PKW-Spuren.


Es sind laut GPS noch 96 km, aber auf der jetzt vorhandenen Piste wird das wohl ein Kinderspiel.
Ich habe einen anspruchsvollen Trail hinter mir, bin materialschonend und umsichtig gefahren und der Nissan hat es mir gedankt, indem er seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellte.

An einer Weggabelung treffe ich eine Streifenhörnchen-Familie an. Ich halte und werde promt vom „Chef“ lauthals aus einem Baum heraus ausgeschimpft. (leider kann ma sie auf den Bildern nicht so gut erkennen

Die Übrigen tummeln sich etwas unterhalb und beobachten mich argwöhnisch. Irgendwie haben sie ja Recht. Was hat solch ein Blechesel hier zu suchen. Aber ich möchte doch auch an „Ihrer“ bzw. unserer Natur teilhaben.

Schliesslich geht es hinunter ins Tal zu einer Teerstraße und ich kann erneut die Fahrt in Richtung „Valley of Paradis“ aufnehmen. Diesmal fahre ich aussen herum.


Nach der Taldurchfahrt geht es hinauf zu den Wasserfällen von Imouzzer bei Agadir. Manchmal sind sie auch im Sommer trocken, aber ich habe Glück...obwohl, da das Flussbett oben trocken ist, habe ich fast den verdacht, dass das Militär mit einer grossen Pumpe die Fälle nass hält. Hauptsache es gibt kühlendes Wasser ;-).



Auf dem Rückweg finde ich noch einen Übernachtungsplatz im „Valley of Paradis“ und kann sogar noch ein Bad im relativ warmen Wasser nehmen. Auf dem Platz hier sind ein paar jüngere Marokkaner, Franzosen und Deutsche.

Morgen werde ich dann für die fällige Wasch- und Reinemachaktion auf den Camping-platz von Agadir fahren.

16.06.2013

Freitag 14.Juni – in den Bergen über Agadir – km 4.613


Ich sitze hier total erschöpft nach einem Off-Road-trail, wie ich ihn in meinem Leben noch nicht erlebt habe. Aber von Beginn an.
Am Morgen bei Aoulouz fahren wir zunächst in die Stadt und kaufen ein. Ich kläre noch im internet einige Angelegenheiten und treffe die Anderen dann auf dem Markt.
Jahir, sein Sohn und Turi mit Stina wollen direkt in einem Rutsch nach Marrakech. Ich aber muss Richtung Agadir und möchte auf dem Weg noch mal in die Berge.
Eine sehr Schöne Zeit gemeinsamer Touren geht zu Ende. Ich hoffe, man sieht sich wieder.

Die ersten Kilometer bis Taroudant verstreichen flott.


Ich mache Rast im Zentrum zu einem Tee und fahre dann nicht die N10, sondern nördlich auf einer Nebenstrasse. Am heiligen Freitag des Islam ist fast kein Verkehr und ich bin bal din der Nähe von Agadir. Jetzt möchte ich in die Berge nach Imouzzer des Ida Outanane zu den Wasserfällen und ins paradis valley.

Das Navi beschreibt mir eine Pistenstrecke, die schliesslich als Jeep-trail ausgewiesen wird. Es beginnt wie schon im Atlas mit durchaus noch problemlos, aber langsam zu befahrenden Bergpisten. In einem Dorf nach 1 Stunde Fahrt frage ich dann einen älteren Marokkaner nach dem Weg und er erklärt mir, dass ich ganz zurück müsse.
Nach einigen Überlegungen und Diskussionen sieht er mich und das Auto an und sagt, es gäbe auch eine Piste. Diese ist auch auf meinem Navi angezeigt. Also fahre ich weiter.



Aber ich hätte eigentlich gewarnt sein müssen, denn auf dieser „Piste“, eher ein Eselspfad, war nur eine Fahrspur zu erkennen. Zunächst ging es aber noch. Nach einer stunde wurde es dann enger und enger. Büsche kreischten am Fahrzeug, ich musste auch größere Steine aus dem Weg räumen.
Dann kamen die ersten anspruchsvollen Passagen und ich verfluchte, dass ich allein unterwegs war. Ständig musste ich aussteigen und mir die Fahrspur genau ansehen. Einmal am Abgrund, einmal zwischen größeren Felsbrocken oder an fast unüberwindbar aussehenden Bodenwellen.

An Wenden war zunächst nicht zu denken und ich betete, dass ich nicht plötzlich vor der nächsten Wendemöglichkeit an einem unüberwindbaren Hindernis stände.

Immer weiter ging es. Schliesslich kam ich an einen Erdrutsch, der die Piste blockierte.


 Ich räumte ein paar „Fels-chen“ zurecht und entfernte mit Montiereisen und Hebel die grösseren Brocken, so dass ich Schritt für Schritt – immer wieder mit Aussteigen und Spur verfolgen – das Hindernis überwinden konnte.

Weiter gings zu einem trockenen Flussbett, das zunächst auch nicht überwindbar schien. Ich arbeitet bis zur Erschöpfung ca 2 Stunden.Ddann hatte ich eine Spur freigelegt, die ich wieder Schritt für Schritt mit Ausstieg und Kontrolle der Räder und ihrer Spur fahren konnte.



Ein ansehnlicher schwarzer Skorpion, der es auf meine mit Sandalen „bewaffneten“ Füsse abgesehen hatte, musste dran glauben. Ich zerquetschte ihn mit einem Stein. 

Wie gern hätte ich mir die Zeit genommen, ihn zu beobachten, aber in der angespannten Situation konnte ich es mir nicht leisten, ihn beim Umschichten von Steinen – jeder Stein wurde sowieso erst mal von unten kontrolliert – aus den Augen zu verlieren oder einen Angriff auf meine Füsse zu übersehen. Schade. Aber die Ungewissheit, wie ich hier wieder rauskomme ließ mir keine Ruhe.

Nach einer kurzen Erholungspause ging es dann bergauf weiter...aber sehr sehr mühsam 10m fahren und dann wieder aussteigen , Steine zurecht rücken oder entfernen, Löcher ausstopfen.

Dann Rumpelte mein Schneckenhaus wieder ein paar Schritte weiter.
Nach der nächsten Kurve dachte ich schon, das ist es, jetzt schau mal, wie Du zurück kommst. Die Ausspülung einer Quelle hatte nach links unten so tief die Piste weggespült, dass nur noch eine Spur frei war. Ausgerechnet hier gingen mir die Steine aus.


Dann fand ich jedoch etwas oberhalb genug Steine und kleine Felsen, die ich hinunterschmeissen konnte, um die Ausspülung auszukoffern. Wieder verging einige Zeit, bis ich die schwierige Passage überwunden hatte.
Ein paar hundert Meter weiter habe ich nun hier in der herrlichen Einsamkeit meinen Rastplatz für die Nacht gefunden.

Es ist 18:00 Uhr, noch angenehm warm, ich habe mich etwas erholt und gegessen. Die Hände und die Unterarme sind ab und zu noch von Krämpfen befallen.

Wie wohltuend ist da mein Schneckenhaus, in dem ich zunächst eine erfrischende Dusche geniesse. Sicher werde ich tief und gut schlafen. Ich bin gespannt, was morgen noch auf mich zukommt.
Der Nissan hat sich bisher tadellos gehalten und auch die Reifen, die heute Vieles mitgemacht haben, zeigten sich stark. Ich hoffe, dass das morgen bestätigt wird.

Wer das Abenteuer liebt und diesen track fahren möchte, kann gerne die GPS-Daten erhalten. Empfehlung: Aber nur mit Beifahrer, der Einwinken und beim Räumen helfen kann.

Donnerstag 13.Juni – Aoulouz – km 4.429




Den ganzen Tag fahren wir sehr anspruchsvolle Bergpisten. Nur mit Getriebeuntersetzung im 1. und 2. Gang. So dringen wir tief in die abgelegenen Regionen des hohen Atlas ein.

Grund dafür ist unter Anderem diese Strassensperre bei Bauarbeiten auf unserer vorgesehenen Piste. Ein Bagger hat den Fels abgetragen und damit ist die Strasse voraussichtlich für diesen Tag blockiert.

- Piste im Atlas - Streckenführung (GPS-Tracks)als Beispiel -
Wir wagen eine nicht eingezeichnete Umgehungsstrecke

über abgelegene Bergdörfer, in denen man uns überall freundlich zuwinkt. Kein Wunder, denn auch wir strahlen über beide Ohren.

- Zwei im Ernteeinsatz für Marokko ;-) -
Auch hier erreicht uns eine Strassensperre in Form von einem quer stehenden Trecker, mit dem das Stroh gehächselt wird. Jahir und ich beteiligen uns unter dem Beifall der Bauern an der Arbeit, damit wir schneller vorankommen. Alle haben ihren Spass und wir werden winkend verabschiedet.

- Bergdorf im Atlas -
Zum Abendessen treffen wir in Aoulouz, wo wir auch draussen vor der Stadt an einer Brücke übernachten.

14.06.2013

Mittwoch 12.Juni – Lac d'Isli – km 4.247



Am nächsten Morgen geht es weiter in den hohen Atlas zum Lac d'Isli. Von dem Ort unterhalb des Sees aus werden Trekkings rund um und auf den Djebel Toubkal – den höchsten Berg Nordafrikas mit 4.167 m – durchgeführt.




Wir machen zunächst mal Etappe und ich steige zunächst zu Fuß die 300 Höhenmeter zum See hinauf. 
- Lac d'Ifni vor einem der 4000er -
Nachdem ich wieder unten bin fahren wir mit unseren Fahrzeugen und Jair, einem Israeli, der sich mit seinem Sohn zu uns gesellt, auf ein Plateau über dem See.

Nach dem Abendessen gibt es eine gemütliche Runde am Lagerfeuer, wobei auch eine Wasserpfeife geraucht wird. Ich mache zum ersten Mal die Erfahrung dieses Genusses und bin davon angetan.
- alles tanzt nach meiner Pfeife ? -